„Was ist der Mensch“ fragte Frank Hofmann, Chefredakteur des Hamburger Vereins Andere Zeiten, bei seinem Vortrag in St. Peter-Ording. Was ist der Mensch verglichen mit den erstarkenden künstlichen Intelligenzen, lautet die vollständige Frage. Die Antwort ist nicht so einfach, denn nicht nur werden Computer Menschen immer ähnlicher, auch Menschen werden Computern ähnlicher. In fünf Bereichen aber bleibt der Mensch immer vom Computer unterscheidbar, meint Hofmann.

„Computer entwickeln sich immer schneller weiter, von Rechenknechten führt der Weg schon heute zu intelligent selbstlernenden Rechnern“, sagt Frank Hofmann. Und die Geschwindigkeit der Entwicklung nimmt zu, denn immer neue Generationen von Computern helfen, immer bessere Computer zu entwickeln. Hier macht sich der Mensch die Maschine zunutze, indem sie sein Gehirn erweitert und verstärkt. „Mensch und Maschine wachsen an manchen Stellen sogar ganz zusammen, etwa bei Implantaten im Ohr, die Taube hören lassen oder bei Kontaktlinsen, die Zusatzinformationen ins Auge projizieren“, so Hofmann.

Entsteht also ein Hybridwesen? Nur teilweise, denn es gibt Bereiche, in denen der Mensch Mensch bleibt – und Christ. So spielte in der christlichen Tradition schon immer die Gewissheit eine große Rolle, Teil eines größeren Sinnzusammenhangs zu sein. „Sich als Teil der Schöpfung zu sehen, über sich selbst hinauszudenken und sich zugleich in diesem neuen Zusammenhang selbst zu sehen, das wird einem Computer nie gelingen“, so Hofmann.

„Die die künstlichen Intelligenzen diese Menschlichkeit sichtbar machen, besteht hierin eine große Chance für das Christentum“, sagt Hofmann.

Denn auch der zweite Unterscheidungs-Punkt sei ein zutiefst christlicher: „Nichts im Leben ist wichtiger als die Fähigkeit zu lieben. Die Liebe steuert unser emotionales Gedächtnis und speist unsere Motivation“, sagt Hofmann. Computer könnten zwar die äußeren Erscheinungen des Verliebtseins erlernen, etwa ein zartes Erröten bei Komplimenten. „Aber sie werden nie diese Auflösung von Ich und Du in einen Algorithmus umwandeln können.“

Auch Langeweile hält Hofmann für sehr menschlich. Muße, Meditation, die bewusste Verweigerung einer Zweckerfüllung. „Dies ist die Voraussetzung für eine Spiritualität, die auf Effizienz programmierten Maschinen immer fremd bleiben wird“, so Hofmann.

Das Bewusstsein der eigenen Vergänglichkeit ist der vierte Punkt, der Menschen von Computern unterscheidet. „Wir wissen, dass unsere Existenz endlich ist – und das bringt Dynamik in unser Leben und die Beziehungen, die wir pflegen. Ein Computer wird sich nicht davon beeindrucken lassen in seinem Rechnen, dass wir im androhen, bald den Stecker zu ziehen“, so Hofmann.

Der fünfte große Unterschied liegt für Hofmann in der Fähigkeit des Menschen zum Scheitern. Zu Scheitern und dann mit zur Not vollständig veränderten Arbeitshypothesen weiterzumachen. „Ein Computer kann nicht scheitern, seine Programmierung kann allenfalls wertlos werden“, sagt Hofmann. Der Mensch dagegen könne aus eigenem Willen von einem Tag auf den anderen seinen Lebensentwurf ändern und sein Selbst neu bestimmen.

Und hier werde auch die Kraft des Christentums deutlich: „Im christilichen Bild von Kreuz und Auferstehung wird deutlich, dass sich der Mensch auch dann als gelungene Kreatur verstehen darf, wenn er scheitert“, so Hofmann. Martin Luthers alte Formel, der Mensch sei gerecht und Sünder zugleich, habe dies bereits von mehr als 500 Jahren auf den Punkt gebracht. „Doch so aktuell wie heute war sie noch nie.“

„Schöpfung, Liebe, Spiritualität, Endlichkeit und das ständige leben zwischen Scheitern und Hoffnung, zwischen Karfreitag und Ostern – das sind für mich die Elemente einer neuen Sicht auf den Menschen“, fasst Hofmann zusammen. Und: „Sie entspricht sehr genau dem, was das Christentum seit Jahrhunderten ausmacht und was Luther vor fünf Jahrhunderten so betont hat.“

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