Überraschender Fund in der Tatinger St. Magnus-Kirche

Bei den Arbeiten zur Sicherung eines Epitaphs wurden alte Wandmalereien entdeckt. Die Begutachtung durch Fachleute ergab, dass diese mindestens aus dem 17. Jahrhundert stammen, vielleicht aber noch deutlich älter sind. Jetzt sollen die Malereien gesichert und dann nach weiteren Ausmalungen gesucht werden.

„Das ist ein Gänsehautgefühl, auf dem Gerüst zu stehen und die Malerei zu sehen“, sagt Pieter Martijn Dubbeldam, Architekt und Leiter der Bauabteilung des Kirchenkreises Nordfriesland. „Erkennbar sind derzeit Teile von zwei Körpern, davon einer in möglicherweise segnender Handstellung“, so Dubbeldam. „Die malerische Qualität ist hochwertig und alles ist mit erstaunlicher Tiefe dargestellt.“

Die Tatinger St. Magnus-Kirche ist die älteste Kirche auf Eiderstedt – und eine der größten. Sie wurde 1103 gegründet. Zunächst war sie als hölzerne Kapelle gebaut. In romanischer Zeit wurde sie dann auf Feldsteinfundamenten als größere Kirche neu errichtet. Wann die Wandmalereien entstanden, muss jetzt von Experten geklärt werden.

„Kirchenausmalungen waren zu Zeiten der Romanik und Gotik in unserem Bereich durchaus üblich und oftmals ein Zeichen von Reichtum. Dabei wurden die Künstler zum Teil von weit her eingeladen und hatten überregionale Bekanntheit“, sagt Dubbeldam. So findet sich in der Kunst- und Denkmaltopografie von 1939 ein Hinweis auf die Ausmalung des Chores im Jahr 1621 durch Steffen Stager. Dieser Maler taucht beispielsweise auch in Flensburger Kirchen auf.

„Gründe für Übermalungen gab es im Laufe von Jahrhunderten natürlich viele. Nach der Reformation sollten Kirchen schlicht und wenig ablenkend sein, da störten Bilder und Malereien“, erklärt Dubbeldam. Manchmal war es auch der sich verändernde Zeitgeist, aber auch wegen fehlender Finanzmittel zur Restaurierung wurden Malereien übertüncht. „Zum Glück meistens mit Kalkfarbe, so dass es uns heute oft möglich ist, zumindest Teilbereiche freizulegen und wieder erlebbar zu machen“, sagt Dubbeldam.

Hinter dem Epitaph, dessen Aufhängungen zu sehen sind, kamen die Malereien zum Vorschein

Vordringlichste Aufgabe ist es jetzt, die Wandmalereien zu sichern. „Zum Teil hat sich die Malerei bereits gelöst, so dass dringender Handlungsbedarf besteht“, sagt Dubbeldam. Nach der Sicherung der freiliegenden Teile sollen die angrenzenden Wandflächen untersucht werden. „Dabei sind weitere Funde zu erwarten, denn die Kirche ist ursprünglich vollständig ausgemalt gewesen“, so Dubbeldam.

„Sicher ist, dass direkt neben den offen liegenden Flächen die Malereien weitergehen“, sagt Marek Filipiak, Restaurator aus Flensburg, der die Malereien entdeckt hat. „Es ist ja ein reiner Zufallsfund.“ Eigentlich sollte nur die Aufhängung eines aus dem Jahr 1664 stammenden Epitaphs, ein einer Verstorbenen gewidmetes Wandbild aus Holz, überarbeitet werden. Als das 3,50 Mater hohe und 2,40 breite Bild dann unter Aufsicht von Filipiak von der Wand genommen wurde, kamen die Malereien zum Vorschein.

Der Fund macht jetzt größere Veränderungen in der Kirche notwendig. „Wir warten jetzt die genauen Untersuchungen der Experten ab“, sagt Gudrun Fuchs, aus Tating stammende stellvertretende Vorsitzende des Kirchengemeinderates. „Stellt sich heraus, dass sie wie derzeit angenommen von hohem künstlerischen Rang sind, wollen wir sie natürlich restaurieren lassen und der Öffentlichkeit zugänglich machen.“

Eher unwahrscheinlich also, dass das Epitaph wieder an seinen angestammten Platz kommt. Es könnte auf einen neuen Platz, möglicherweise auf der gegenüberliegenden Seite der Kirche wandern. „Dafür würde das große, altehrwürdige Pastorenbild wahrscheinlich auf der Empore mit Blick in den Kirchenraum wandern.“ Viel Veränderung also in Tating.

Die Husumer Nachrichten hatten ebenfalls über das Wandbild berichtet, hier gehts zum Artikel.

 

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